Pyrenäen, Tag 4

Die Route bei GPSies

 

 

Die Strecke

 

Seit heute weiss ich auch, wozu diese Pässe hier gut sind. Ausser zum Motorradfahren natürlich. Sie stellen schlicht die einzige Ost/West Verbindung dar, ohne dass man den Haupkamm überquert oder aus den Pyrenäen heraus geht, ins Flache. Gavarnie liegt auf der anderen Seite des Trios Col de Peyresourde/Col d'Aspin/Col du Tourmalet. Ausser den Pässen gibts da keine gescheite Strasse hin. Ok, nochmals rüber. Das mit dem früher abfahren hat natürlich nicht geklappt. Der Himmel war völlig Wolkenverhangen, vielleicht schreckt das die Radfahrer.

 

Am Peyresourde hatte es noch keine, war super zum Fahren. Aber am Col d'Aspin waren sie bereits. Oh schreck wie wird das werden? Heute ist Samstag, Wochenende. Aus dem Mangel an Autos waren die aber alle kein Problem. Dann wieder den Tourmalet hoch, inzwischen war eitel Sonnenschein. Aber auch am Tourmalet hatte es zwar mehr Radfahrer, aber auch weniger Autos und weniger Wohnmobile. Überhaupt hab ich dem Pass gestern unrecht getan, so schlecht ist die Strasse nicht. Es gibt schlechte Stellen und es gibt holprige Stellen, aber heute hat er mir gut gefallen. Aber es war noch kühler als gestern, heute wars ganze 8°C um 11 Uhr morgens.

 

Auch die Strasse nach Gavarnie hinauf ist super zu fahren. Gut ausgebaut, viele weite Kurven mit Engeren zur Abwechslung, damits nicht langweilig wird. Leider kam es dann so vie befürchtet. Die Ortschaft Gavarnie ist Endstation, danach ist Laufen angesagt. Bessergesagt Wandern. Es standen zwar ein Dutzend Töffs aus allen Herren Länder da, von den Fahrern hab ich keinen gesehen. Ich also in meinen Motorradklamotten zwischen lauter Wandervögel. Die mögen sich schon ihren Teil gedacht haben. Ich bin eine knappe Stunde gelaufen, da wurde es mir zu heiss. Bei 16°C Aussentemperatur. Ich musste ja alles auch wieder zurück.

 

Die Felswände sind wirklich eindrücklich, die Landschaft wunderschön. Vor dem nächsten grossen Anstieg, ohne ganz in den inneren Cirque gelangt zu sein, kehrte ich wieder um.

 

Wenn ihr mal herkommt: Nicht in Töffklamotten (bzw. nehmt was zum Umziehen mit, es hat ein öffentliches WC etwa 100m vom Parkplatz, da geht das problemlos) und vergesst den Sonnenschutz nicht, ich habe mir heute gut die Birne verbrannt.

 

Und wieder über die Pässe zurück. Den Tourmalet hoch, was seh ich da? Wolken auf der anderen Passseite? Wolken wären die grösste Untertreibung. Die andere Seite war dicht. Also mit Nebel gefüllt bis zum Rand, so dass es leicht überschwappte. Vor Schreck hab ich gar nicht angehalten sondern bin gleich weiter. Die Wolkenuntergrenze war bei 1500m, das heisst also 600 Höhenmetern mit Sichtweiten zwischen 10 und 30m, mit beschlagenem Visier. Ok, als ich dann die Sonnenblende hochklappte warens dann ein bisschen mehr, aber darauf muss man erst mal kommen.

 

Auf der anderen Seite den Col d'Aspin hoch und schon rissen die Wolken wieder auf, bald war eitel Sonnenschein. Also wenns mal zuviel Wolken hat, geht einfach ein Tal weiter. Um die Liste der in umgekehrten Richtung gefahrenen Pässe komplett zu machen und weil es fürs Abendessen doch noch zu früh war bin ich nochmals über den Col du Portillon. Und zurück, versteht sich. Die Pässe liegen ja vor der Haustüre, wie kann man da wiederstehen.

 

Was gibt sonst noch zu sagen, nach zwei Tagen Bagnierès-de-Luchon? Ich hab verdreckte Mountainbiker gesehen, am Col du Peyresourde startende Gleitschirmflieger und Luchon hat sogar ein Aérodrome, da werden Segelflieger geschleppt.

 

Das Nationalgericht der Gegend schein confit de canard zu sein, müsst ihr mal probieren.

 

Nachdem ich an den ersten beiden Abenden niemanden auf den Terrassen der Beizen habe rauchen sehen (die Leute standen auf und gingen ein paar Schritte) warens heute Abend gleich mehrere. Also scheint es doch nicht so wild zu sein.

 

Man müsste mal länger hier sein, dann könnte man sich auch den Seitentälern widmen, morgen geht es schon langsam wieder der Heimat zu...

 

Der Cirque:
Cirque de Gavarnie bei Wikipedia