Mit Auto durchs Niltal

Mitte der 80er Jahre fuhr ich mal das ganze Niltal auf ägyptischem Boden ab, bis nach Abu Simbel und zurück. Ich hab jeden Tempel anschaut, um nicht zu sagen jeden Steinhaufen.

 

 

Etwas das derzeit wieder nur sehr schwer möglich ist. Einige Strecken und Regionen wurden für Touristen und Ausländer gesperrt. Etwas abgeschwächt gab es früher auch schon, bei meiner ersten Reise nach Ägypten mussten wir ein Permis lösen um Kairo in südlicher Richtung nach Beni Sueff zu verlassen.

 

Quellen und weitere Hinweise:

 

Ich wurde ja von Bekannten in Kairo gewarnt: Erstens gäbe es in Südägypten Wegelagerer und zweitens soll ich unter gar keinen Umständen Nachts fahren. Gut, die Sache mit dem Nachts fahren hat schon seine Tücken. Korrekt eingestellte Abblendlichter ware ein Fremdwort zu dieser Zeit und irgendwie bezweifle ich, dass das heute besser ist. Die Sache funktioniert so:

 

Wenn zwei sich kreuzende Fahrzeuge aufeinander zufahren, stellt einer der Beiden auf Volllicht, der Andere schaltet sein Licht aus. Heisst, einer beleuchtet die Strecke für beide, der Andere fährt auf die Lichter zu. Nach einer gewissen Zeit wird gewechselt. Der Erste schaltet sein Licht aus, der zweite schaltet seines an. Bis die beiden Fahrzeuge gekreutzt haben. Das System braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit. Gemessen an den Umständen passieren aber doch relativ wenig Unfälle.

 

Von der Fahrt auf der Strasse sind mir zwei Sachen speziell im Gedächtnis geblieben.

 

• Das Erste ist meine erste Nilüberquerung auf einer Fähre irgendwo in Mittelägypten. Ihr dürft euch darunter nicht Fähren aus Europa vorstellen. Die Autos stehn dabei quer in zwei Reihen auf dem Deck. Das war ein gewöhnlicher Kahn mit einer grossen freien Fläche an Deck, ohne Reling links und rechts. Die Ansage des Matrosen war klar: Auf sein Zeichen hin fahren alle Fahrzeuge zusammen los. Ich stand in der zweiten Reihe und hatte blöderweise vergessen, die Handbremse zu lösen. Ich hatte wirklich das Gefühl, ich falle jetzt jeden Moment rückwärts in den Bach, so hat der Kahn geschaukelt. Natürlich passierte das dem einzigen Touristen auf dem Boot.

 

• Das Zweite war die Fahrt von Assuan nach Abu Simbel. Ich bekam einige Tage vor der Fahrt noch den Hinweis auf eine Baustelle etwa bei Kilometer 150, da sei vor einer Woche ein Tourist aus Kairo tödlich verunfallt. Die Fahrt führte dann auf einer nigelnagelneuen Strasse durch eine wunderschöne Wüstenlandschaft. Ich hab ein paar Stopper mitgenommen, einer entpuppte sich als Bauarbeiter, der da draussen arbeitete.

 

Er machte plötzlich so Handzeichen, die ich nicht verstand. Dann hatte ich das Gefühl er meinte, ich solle langsamer fahren. Also, die Strasse war neu, gerade mal sechs Monate alt, breit, es ging geradeaus, jede kleine Richtungsänderung von ein paar Graden wurde mit Schildern angekündigt, der Verkehr war absolut Null, kurz: Ich hielt die 150km/h Reisegewindigkeit für angemessen.

 

Er gab aber keine Ruhe und ich meinte auch plötzlich was zu erkennen. Also ging ich mal voll in die Eisen, was die Bremsen so hergaben. Da stand doch ein Besenstiel mit einem kleinen, hölzernen Pfeil obendrann mitten auf der Strasse. Es ginge jetzt hart links in einen Feldweg. Hintendrann war der Asphalt fertig und es türmten sich Dutzende zwei Meter hohe Stein- und Kieshaufen. Ein Wadi. Und die Brücke darüber fehlte noch.

 

Ja, das war seine Baustelle.