Energiestrategie 2050

  • Zahlen sprechen eine klare Sprache. Zumeist jedenfalls. Irgendwie fand ich die Diskrepanz zwischen den 40.- und den 3200.- Franken dann doch etwas zu gross. Also hab ich das mal nachgerechnet.


    200 Milliarden Franken soll die Umsetzung der Energiestrategie 2050 gemäss dereinst einmal kosten. Um die Sache zu vereinfachen, wird linear gerechnet, alle Jahre werden als gleich teuer betrachten. Die Erfinder obiger Zahlen haben das auch getan, oder noch viel schlimmeres.


    200 Mia geteilt durch 33 Jahre, geteilt durch die Bevölkerung (8 Mio) mal 4 (für eine vierköpfige Familie) ergibt 3030 Franken. Da eh alles mehr kosten wird, runden wir auf 3200.- auf. So weit so gut, die Rechnung stimmt in etwa. Fragt sich nur wie die 200 Mia zusammengesetzt sind. Der Bund schreibt hierzu:

    • 126 Mia werden für die ohnehin anstehende Erneuerung und den Betrieb von bestehenden Kraftwerken benötigt. Das würde jährlichen Investitionen und Betriebskosten von rund 3 Milliarden Franken entsprechen. Diese Kosten werden durch die privaten Betreiber der Kraftwerke zwischen 2010 und 2050 getragen. - Ein ganz normaler Vorgang für einen Unternehmer. Die Gewinne geben sie ja auch nicht her, das ist ja der Sinn des Unternehmertums.
    • 67 Mia fallen für den Bau und Betrieb neuer Kraftwerke bis 2050 an. Das entspricht jährlichen Aufwendungen von rund 1,7 Milliarden Franken. Für diese Kosten werden die privaten Erbauer aufkommen. - Auch dies ist nichts ungewöhnliches für einen Unternehmer.
    • 18 Mia sollen der Um und Ausbau der Übertragungsnetze kosten. Diese Kosten können durch intelligente Steuerungen im Verteilnetz (smart grids) stark reduziert werden. Wenn wir den vollen Betrag nehmen, macht das etwa eine halbe Milliarde pro Jahr. - Dies fällt etwas aus dem Rahmen, man könnte die Netze mit den Autobahnen vergleichen. Zuständig dafür ist die Firma swissgrid, sie gehört den Stromkonzernen. Nebenbei finde ich das etwas heikel, auch wenn sie von der ElCom beaufsichtigt wird.

    Quelle: Bundesamt für Energie, Anmerkungen in Kursiv sind von mir.


    Der grosse Teil dieser Kosten fällt also so oder so an und werden durch die normalen Einnahmen der privaten Betreiber gedeckt, also können sie hier doch gar nicht eingerechnet werden. Vielleicht haben die Ersteller dieser Rechnung aber auch nur die Klima-und Lenkungsabgabe (KELS) gemeint, aber darauf ist das Parlament im letzten Herbst ja gar nicht eingetreten, das kann also auch nicht gemeint sein.


    Also steht noch eine halbe Milliarde im Raum.


    Aber zäumen wir mal das Pferd von hinten auf. Wir stimmen über eine Erhöhung des Netzzuschlages ab. Dieser soll von heute 1.5 Rp./kWh auf 2.3 Rp./kWh erhöht werden. Macht eine Erhöhung um 0.7 Rp. pro kWh. Quelle: UVEK, aber auch das papierne Abstimmungsbüchlein.


    Eine durchschnittliche vierköpfige Familie verbraucht etwa 5000 kWh jährlich. 3850 kWh in einer Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus, 5200 kWh in einem Einfamilienhaus. Quelle: Schweizerische Agentur für Energieeffizienz S.A.F.E. 


    0.7 Rp. mal 5000 kWh ergibt 38.50 Franken. Das sind die Kosten, worüber wir abstimmen werden. Auch das ergibt richtig Geld, denn die Schweiz verbrauchte im letzten Jahr 62617 Mio kWh Strom. Quelle: Bundesamt für Energie


    Die 2.3 Rp. pro kWh mal diese 62617 Mio kWh ergeben 1.44 Mia pro Jahr. Auf 33 Jahre hochgerechnet ergibt das 47.5 Milliarden Franken. Das ist viel Geld.


    1.44 Mia minus 0.5 Mia ergibt 0.95 Milliarden Franken pro Jahr, die für andere Teilbereiche der Energiestrategie 2050 verwendet werden. Ohne kalt zu duschen. Zum Beispiel könnten damit viele Zuschüsse gegeben werden um Gebäude besser zu isolieren und veraltete Ölheizungen zu ersetzen. Auch diese Ausgaben werden künftig vom Netzzuschlag gedeckt. Quelle: UVEK. Das bisherige Gebäudeprogramm ist bis 2019 befristet, danach wäre Ende Feuer, dem Programm würde das Geld fehlen. Quelle: UVEK


    Wir Schweizer sind ein Volk das gerne grosse Motoren in den Fahrzeugen mag. So ein Motor gibt schon was her. Daher verstehe ich ja, dass eine Reduktion des CO2 Ausstosses beim Volk nicht gut ankommt. Aber glaubt mir, das kommt so oder so. Lehnen wir die Energiestrategie ab, müssten die Heizungen ihren Beitrag zur CO2 Einsparung nicht leisten. Um die Einsparung trotzdem zu erreichen würde alles an den Autos hängen bleiben, sie würden noch mehr an die Kandarre genommen werden.


    Im Jahr 2016 hat die Schweiz 38019 Mio kWh an Strom importiert und 34096 Mio kWh exportiert. Das ergibt unter dem Strich einen Netto-Import von 3923 Mio kWh. Dieser Wert kann stark schwanken, 2015 war es ein Netto-Export von 1035 Mio kWh. Quelle: Bundesamt für Energie. Der internationale Handel beträgt ein Vielfaches des Netto-Importes oder -Exportes. Wir sollten unseren Energieerzeugern gleich lange Spiesse geben um sich im Markt behaupten zu können, Warum dürfen sie nicht auch so günstigen Windstrom produzieren wie die Deutschen?


    Am Anfang schrieb ich, 67 Mia seinen für neu zu bauende Kraftwerke nötig. Nur, welche Art Kraftwerke können in der Schweiz noch gebaut werden? Atomkraftwerke? Kohle-, Öl- oder Gaskraftwerke? Grosse Wasserkraftwerke? Es dürfte schwierig werden, auch nur eines dieser Kraftwerke neu zu bauen. Wenn wir das nicht mit Solar- oder Windanlagen auffangen, werden wir wohl Atom- oder Kohlestrom aus dem Ausland importieren. Und wenn wir Glück haben, kriegen wir vom günstigen Windstrom aus Deutschland.